Was ist Nachhaltigkeit?
“Nachhaltigkeit”. Was ist das? Was soll das? Was habe ich damit zu tun?, fragt der Unternehmer und kann meist allein schon mit dem Wort “Nachhaltigkeit” wenig anfangen.
Nun: die Berücksichtigung von Umweltfragen in der Wirtschaft, aber auch in der Politik hat eine dynamische Entwicklung genommen. Im Vergleich zu den vergangenen zwei Jahrzehnten, lässt sich eine Verschiebung der Schwerpunkte erkennen. Die heutige Sichtweise ist wesentlich umfassender, denn es geht nicht nur um den Schutz der Umwelt, sondern auch um soziale Aspekte, um globale Verantwortung, die Übernahme von Verantwortung für zukünftige Generationen und somit um die Förderung einer – nachhaltigen – Entwicklung.
Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde von der Brundtland-Kommission 1987 geprägt: Unter nachhaltiger Entwicklung wird eine Entwicklung verstanden „die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen“ (aus UBA 1997). Aus dieser Definition leiten sich die drei Säulen – Ökonomie, Ökologie und Soziales – der nachhaltigen Entwicklung ab.
Als umweltorientierter Unternehmensverband der Wirtschaft setzt B.A.U.M. genau an diesem Punkt an: 1984 als 1. Umweltinitiative der Wirtschaft gegründet, bilden heute ca. 500 Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen das größte Netzwerk für umweltorientiertes und auf Nachhaltigkeit zielendes Management in Europa. B.A.U.M. möchte durch eine kooperative Zusammenarbeit die Unternehmen überzeugen, ihre Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Nachhaltigkeit stetig weiter auszubauen und die damit verbundenen Chancen zu realisieren.
Unsere Überzeugung nämlich ist: In der Hinwendung auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise stecken große Chancen auf unternehmerischen Erfolg! Zunächst einmal ist Nachhaltigkeit auch eine große Herausforderung für die Gesellschaft und die Wirtschaft.
Die von anerkannten Wissenschaftlern in mehreren Klimareports für die UN aufgestellten Szenarien gehen davon aus, dass mittelfristig (binnen 20-50 Jahren) eine ganz wesentliche Reduzierung des Energieeinsatzes, des Ressourcenverbrauches und der Umweltbelastungen zwingend erforderlich ist – etwa um den Faktor 4 oder gar den Faktor 10.
Die CO²-Emissionen sollen um 80 % vermindert werden, der Primärenergieeinsatz um 50 %. Die Materialproduktivität muss um ein Vielfaches wachsen, der Einsatz nicht-erneuerbarer Rohstoffe um 90 % gesenkt werden. Der Flächenverbrauch soll gar auf Null zurückgehen.
Doch wird diese Herausforderung von den Unternehmen angenommen? Immer noch wird bei vielen Unternehmen überwiegend unreflektiert an der Wachstumsorientierung festgehalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Probleme nicht bekannt sind, aber sie werden systematisch verdrängt.
Der Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 hat leider eindrucksvoll gezeigt, dass auch bei den weltweit führenden Politikern die Probleme lieber verdrängt als energisch und konsequent angepackt werden.
Welche weiteren Chancen bietet die Nachhaltigkeitsorientierung den Unternehmen?
Der originäre Begriff stammt ja aus der Forstwirtschaft. Nach jahrelang praktizierter Kahlschlagpolitik merkte man dann doch, dass bei einem derart betriebenen Substanzverzehr keine langfristige Rendite zu erzielen ist. Folglich stellte man (erfolgreich) auf Methoden um, die die natürlichen Ressourcen schonten und dadurch auch den ökonomischen Nutzen dauerhaft gewährleisteten.
Dass Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können, hat B.A.U.M. in dem Buch “Kosten senken durch Umweltmanagement – 1000 Erfolgsbeispiele aus 100 Unternehmen” eindrucksvoll dokumentiert. Die vielen in der Praxis erfolgreich umgesetzten Beispiele zeigen, wie durch eine systematische Betrachtung von Umweltaspekten und durch entsprechende Maßnahmen insbesondere in den Bereichen Energie- und Wassereinsparung, Einsparung von Rohstoffen und Verpackungsmaterialien sowie Abfallminimierung und Verkehrsoptimierung Kosten gesenkt werden können.
Was aber macht ein Unternehmen zu einem nachhaltigem Unternehmen oder gar einem “Sustainability-Leader”?
Der Wissenschaftler Philip C.R. GRAY von der Programmgruppe Mensch, Umwelt, Technik der Kfa Jülich hat für seine Untersuchung zur „Umsetzung des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung in deutschen Unternehmen“ (1999) folgende Kriterien zusammengestellt:
- Das Unternehmen sieht „Win-win“-Lösungen zwischen der Ökologie und der Ökonomie als prinzipiell möglich an,
- Das Unternehmen hat ein Umweltmanagementsystem und quantifizierte Umweltziele; diese Ziele sollten möglichst mit ökologischen Managementregeln im Einklang sein bzw. in diese Richtung zielen.
- Es gibt Maßnahmen, den ganzen Produktlebenszyklus in ökologischer Hinsicht zu berücksichtigen: Design, Herstellung, Nutzung und Verwertung/Recycling.
- Das Unternehmen versucht, Mitarbeiter, Kunden usw. für ökologische Aspekte zu sensibilisieren bzw. zu trainieren.
- Ein Dialog über ökologische und andere Ziele des Unternehmens wird zunehmend mit „neuen“ Stakeholdern geführt.
- Es gibt freiwillige Kooperationen mit anderen Unternehmen, um Kreisläufe effektiver schließen zu können.
Bei der Untersuchung von GRAY nennen Unternehmen folgende Motive, weshalb sie sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen:
- Die Verantwortung, zur Lösung von weltweiten Problemen beizutragen (Wahrnehmung von Herausforderungen wie Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch und Bevölkerungswachstum).
- Die öffentliche Diskussion
- Ein ideelles Motiv, wie das persönliche Engagement bzw. Umweltbewusstsein des Inhabers oder von Führungspersonen, wie z.B. Michael Otto, August Oetker, aber auch Claus Hipp, Jürgen Schmidt oder Franz Ehrnsperger. Dies sind herausragende Unternehmerpersönlichkeiten, die mit großem Engagement in ihren Unternehmen erfolgreich „Nachhaltigkeit“ praktizieren.
- Forderungen oder Wünsche anderer Akteure wie z.B. Kunden oder Umweltinitiativen.
- Gesetzgebung (selten genannt)
- Betriebswirtschaftliche Gründe, wie beispielsweise die Einsparung von Kosten, die Sicherung von Qualität und die Steigerung von Effizienz.
- Strategische Gründe (Wettbewerbsfähigkeit)
- Imagegewinn
Die Herausforderung der gesamten Wirtschaft muss es sein, den Prozess zu einem “nachhaltigen Wirtschaften” einzuleiten bzw. umzusetzen. Dazu muss ein Umdenken insbesondere der Unternehmerpersönlichkeiten stattfinden, da mit der derzeitigen Wirtschaftsform die Probleme nicht zu lösen sind. Insbesondere muss es gelingen, durch unternehmerisches Handeln zur Bildung von gesellschaftlich anerkannten Werten beizutragen.
Ich bin sicher, dass die Menschen die Vision einer zukunftsfähigen Gesellschaft vermittelt bekommen müssen. Der große französische Schriftsteller Saint Exupéry hat dies wie folgt ausgedrückt:
Wenn Du ein Schiff bauen willst,
so trommle nicht die Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten
und Aufgaben zu vergeben.

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