Klimaschutz ist kein Spiel – doch gilt für Kopenhagen: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
Kopenhagen war kein Durchbruch für den Klimaschutz. Die Zeit war noch nicht reif. Der Druck war noch nicht groß genug. Die Gegner, Klimawandelprofiteure wie Exxon, die Kohleindustrie und die amerikanischen Republikaner waren noch zu stark. China und Indien verharrten in den Gräben der Schuldzuweisung an die Industriestaaten und deren historische Klimagasschuld. Barack Obama gab der Krankenversicherung für Millionen armer Amerikaner Priorität vor dem globalen Klimaschutz, der ein Dauerlauf von vier oder fünf Dekaden zu werden verspricht. Die Europäer mussten einmal mehr erkennen, dass der alte Kontinent zwar wichtig aber schon lange nicht mehr entscheidend ist, wenn er keine echten Verbündeten in Amerika, Asien oder Afrika findet.
Das ist schlecht, denn wieder sind mindestens zwei Jahre verloren in diesem extrem komplexen globalen Tauziehen um Macht und Einfluss um Kosten und Nutzen für Konzerne, Branchen, Länder, und Regionen. Klimaschutz ist aber nicht nur der politische und gesellschaftliche Diskurs auf globaler Ebene. Erfolg und Misserfolg entscheiden sich nicht alleine auf den Weltklimakonferenzen. Klimaschutz ist das Handeln des Einzelnen, der kleinen und großen Unternehmen, der Kommune, des Kreises, des Landes des Vereins, des Forschers. Wir brauchen eine weltweite Trotzreaktion gegen das Versagen der politischen und gesellschaftlichen Elite. Jeder kann an seinem Platz dem Klimawandel entgegentreten.
Unternehmer und Unternehmen sollten es machen wie Siemens und Bosch. Investieren Sie in regenerative Energien. Landräte können Ihre Dächer an Solarinvestoren vermieten und ihre Liegenschaften energetisch sanieren. Bürgermeister sollten ihre Gemeinden zu Bioenergiedörfern machen und Windparks ausweisen. Forscher sollten sich der Energieeffizienz verschreiben, damit wir Ressourcen schonen können, ohne unseren Lebensstil allzu drastisch ändern zu müssen. Brautpaare können einen Baum pflanzen. Nicht nur einmal im Leben sondern jedes Jahr am Hochzeitstag. BUND-Gruppen können aus Ihrer Lethargie erwachen und Ihren Gemeinderat wieder so unter Druck setzen wie in den guten alten achtziger Jahren.
Jeder kann etwas tun. Kaufen Sie einen A++ Kühlschrank, buchen Sie eine Fahrradtour statt Ihrer geplanten Flugreise, fordern Sie Ihren Chef auf, eine große Solaranlage aufs Dach des Unternehmens zu setzen, dämmen Sie Ihr Haus, melden Sie Ihre Kommune zur Solarbundesliga an. Eltern können Ihre Kinder zum Klimaschutz motivieren: Kinder können Ihre Eltern zum Klimaschutz anhalten. Lehrer ihre Schüler erziehen und Schüler Ihre Lehrer konfrontieren.
Das Engagement macht Sinn, denn es gibt Hoffnung für die nächste Klimakonferenz in zwei Jahren in Mexiko. Das Zwei-Grad-Ziel ist jetzt in aller Munde. Die Wirtschaftskrise zeigt, dass wir umdenken müssen. China verkauft nicht mehr nur Solaranlagen in die Welt sondern will in der nächsten Dekade 20 Gigawatt im eigenen Land installieren. Mehr als doppelt soviel wie der Weltmarkt 2009. Indien startet neben der Windkraft jetzt auch im Solarbereich zur Aufholjagd. In Kamerun entstehen die ersten Solarenergiedörfer. Der Ölpreis wird bald wieder anziehen und Energiesparen weltweit zur ökonomischen Pflicht machen. Putin wird mit Gerhard Schröders Hilfe am Gashahn spielen und damit den Klimaschutz voranbringen.
Auch der Blick in die kurze Geschichte des Klimaschutzes macht Hoffnung. 1995 in Berlin bei der Weltklimakonferenz gelang trotz großer Hoffnungen bei unserem „Heimspiel“ nur ein kleiner Fortschritt, ich selbst war damals als stellvertretender Pressesprecher der NGOs aktiv. Wir waren genauso enttäuscht wie heute nach Kopenhagen. Und dann in Kyoto, nur zwei Jahre später, ein bindendes Abkommen. Dieses kleine Wunder gilt es jetzt zu wiederholen. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Im Klimaschutz wie im Fußball. Einen neuen Trainer gibt es diesmal nicht. Aber immerhin hieß die damals in Berlin trotz grandiosem Einsatz gescheiterte Umweltministerin Angela Merkel. Sie wird mit uns in Mexiko wieder antreten. Wir müssen uns für diese zwei harten Jahre alle selbst motivieren. Die Belohnung kann ein weltweites Klimaschutz-Abkommen in zwei Jahren sein.

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